Mein Weg nach Deutschland: Wie ich zum FSJ kam – Jovel Nanos Geschichte

Von Jovel Nano I Philippinen

Ehrlich gesagt hatte ich am Anfang keine Ahnung, was ein FSJ oder ein Freiwilligendienst überhaupt ist. Mein ursprünglicher Plan war, nach Deutschland zu kommen, um die Sprache zu lernen und später eine Ausbildung in der Pflege zu machen. Da sich mein Sprachkurs jedoch verlängert hat, habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Durch das Internet und einige Freunde habe ich vom FSJ erfahren. Sie haben mir erzählt, dass man dadurch viele Erfahrungen sammeln und gleichzeitig etwas Gutes tun kann. Deshalb habe ich mich dafür entschieden. Dass ich einmal in Deutschland leben würde, hätte ich mir als Kind niemals vorstellen können. Erst nach meinem Schulabschluss auf den Philippinen ergab sich diese Möglichkeit. Damals war ich unsicher, ob ich studieren oder lieber direkt arbeiten sollte, da ein Studium in meiner Heimat mit hohen Kosten verbunden ist. Zum Glück haben mir meine Tante und ihr Mann von den Chancen in Deutschland erzählt und mich von Anfang an unterstützt. Sie haben mir nicht nur bei den zahlreichen Dokumenten und dem Visumsprozess geholfen, sondern mich auch während der gesamten Vorbereitung begleitet. Dafür bin ich ihnen bis heute sehr dankbar.

Die Vorbereitungen waren ziemlich anstrengend und erforderten viel Geduld. Es mussten zahlreiche Unterlagen organisiert werden, und der gesamte Prozess dauerte länger als erwartet. Trotzdem habe ich nie aufgegeben und war sehr erleichtert, als schließlich alles geklappt hat. Der Abschied von meiner Familie war emotional. Einerseits fiel es mir schwer, meine Eltern, Verwandten und sogar meine Hunde zurückzulassen. Andererseits war ich voller Vorfreude, weil ich wusste, dass mich ein neuer Lebensabschnitt erwartete. Ich wollte diese Chance nutzen und mir eine bessere Zukunft aufbauen. Die Reise nach Deutschland verlief im Großen und Ganzen problemlos, obwohl ich in Bangkok beinahe meinen Anschlussflug verpasst hätte. Nach der Landung ging ich zunächst auf die Toilette und dachte, ich hätte noch genügend Zeit. Als ich wieder herauskam, bemerkte ich plötzlich, dass viele Menschen in Richtung Gate rannten. Erst in diesem Moment wurde mir klar, dass das Boarding bereits begonnen hatte. Ich beeilte mich und schaffte es gerade noch rechtzeitig ins Flugzeug. Kurz nachdem ich meinen Platz eingenommen hatte, wurden die Türen geschlossen. Im Nachhinein kann ich darüber lachen, aber damals war ich wirklich erleichtert, dass alles gut ausgegangen ist. Als ich im Januar in Deutschland ankam, war ich zunächst von der Kälte überrascht. Obwohl ich eine dicke Jacke aus den Philippinen mitgebracht hatte, reichte sie bei den winterlichen Temperaturen nicht aus. Besonders beeindruckt hat mich der Schnee, denn es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Schnee gesehen habe. Trotz der Kälte war ich so begeistert und neugierig, dass ich am ersten Tag kaum schlafen konnte. Auch die Menschen und die Kultur waren für mich etwas ganz Neues. Mir fiel schnell auf, dass viele Deutsche sehr direkt kommunizieren und großen Wert auf Pünktlichkeit legen.

Anfangs empfand ich diese direkte Art manchmal als etwas hart. Mit der Zeit habe ich jedoch verstanden, dass Ehrlichkeit und Offenheit vieles einfacher machen. Außerdem habe ich die Ordnung, Sauberkeit und den Respekt gegenüber Regeln sehr positiv wahrgenommen. Besonders ungewohnt war für mich, dass sonntags die meisten Geschäfte geschlossen sind. Auch bei den Essgewohnheiten habe ich große Unterschiede bemerkt. In den Philippinen gehört Reis fast zu jeder Mahlzeit, während in Deutschland Brot und andere Backwaren eine wichtige Rolle spielen. Früher habe ich kaum Gemüse gegessen, aber seit ich in Deutschland lebe, esse ich viel abwechslungsreicher und habe sogar gelernt, Gemüse zu mögen. Als ich nach Deutschland kam, konnte ich überhaupt kein Deutsch. Außer ein paar Wörtern wie „Danke“, „Guten Morgen“ oder „Guten Tag“ wusste ich praktisch nichts. Deshalb bin ich mit einem Sprachvisum nach Deutschland gekommen und habe hier angefangen, Deutsch zu lernen. Die ersten Monate waren nicht einfach. Schritt für Schritt habe ich die Grundlagen gelernt und konnte mich immer besser verständigen. Obwohl ich meinen Sprachkurs inzwischen abgeschlossen habe, lerne ich bis heute weiter, weil man eine Sprache nie vollständig beherrscht. Die Eingewöhnung war nicht immer leicht. Neue Freunde zu finden, ist meiner Meinung nach eine der größten Herausforderungen.

Bis heute habe ich nur wenige deutsche Freunde. Dafür habe ich in Deutschland viele Filipinos kennengelernt, mit denen ich mich gut verstehe. Trotzdem hoffe ich, in Zukunft noch mehr Menschen aus verschiedenen Kulturen kennenzulernen. Als ich mit meinem FSJ begonnen habe, musste ich mich erneut an eine neue Umgebung gewöhnen. Zwar konnte ich mich inzwischen auf Deutsch verständigen, aber ich sprach noch nicht fließend und musste oft nachfragen. Am Anfang war vieles neu für mich, und ich hatte zahlreiche Fragen. Mit der Zeit fühlte ich mich jedoch immer sicherer und konnte mich besser in den Arbeitsalltag einfinden.

Während meines FSJ habe ich viele wertvolle Erfahrungen im Pflegebereich gesammelt. Mein Wissen über verschiedene Krankheiten und den Umgang mit älteren Menschen hat sich deutlich erweitert. Zu meinen täglichen Aufgaben gehören unter anderem, die Bewohner morgens zu wecken, sie bei der Körperpflege zu unterstützen, ihnen beim Duschen und Anziehen zu helfen sowie das Frühstück vorzubereiten. Danach begleite ich sie durch den Tag und unterstütze sie bei allem, was sie benötigen. Besonders wichtig ist mir dabei der persönliche Kontakt zu den Bewohnern. Im Laufe der Zeit habe ich verstanden, dass Pflege viel mehr bedeutet als nur körperliche Unterstützung. Es geht auch darum, den Menschen Aufmerksamkeit zu schenken, ihnen zuzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein. Dadurch entsteht eine vertrauensvolle Beziehung, und man fühlt sich fast wie eine große Familie. Genau das macht diese Arbeit für mich besonders wertvoll und hat mir gezeigt, wie wichtig Menschlichkeit und Mitgefühl im Pflegeberuf sind. Ein weiterer besonderer Teil meines FSJ sind die Begegnungen mit den Menschen. Durch die Gespräche mit den Bewohnern habe ich nicht nur etwas über Pflege gelernt, sondern auch viel über das Leben. Viele ältere Menschen erzählen von ihren Erfahrungen, ihren Erinnerungen und den Herausforderungen, die sie in ihrem Leben gemeistert haben. Ihre Geschichten haben mich oft zum Nachdenken gebracht und mir gezeigt, wie wichtig Dankbarkeit, Geduld und Zusammenhalt sind. Auch die Seminare haben mir viel Freude bereitet. Dort hatte ich die Möglichkeit, andere Freiwillige aus verschiedenen Ländern kennenzulernen.

Im Laufe der Zeit sind daraus sogar Freundschaften entstanden. Durch den Austausch mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen habe ich gelernt, offener zu sein und andere Sichtweisen besser zu verstehen. Ich habe erkannt, dass man nicht nur aus Büchern oder in der Schule lernt, sondern auch durch die Geschichten und Erfahrungen anderer Menschen. Die Zeit in Deutschland und mein FSJ haben mich als Mensch verändert. Ich habe gelernt, selbstständiger zu werden, Verantwortung zu übernehmen und Herausforderungen nicht aus dem Weg zu gehen. Außerdem habe ich verstanden, dass man seine Ziele mit Geduld und Ausdauer erreichen kann. Durch das Leben in einem anderen Land habe ich neue Perspektiven gewonnen und viele Dinge mehr zu schätzen gelernt. Menschen, die noch nicht wissen, wie sie anfangen sollen oder die gerne neue Erfahrungen sammeln möchten, kann ich ein FSJ nur empfehlen. Es ist eine gute Möglichkeit, nicht nur berufliche Erfahrungen zu sammeln, sondern auch sich selbst besser kennenzulernen und Menschen aus verschiedenen Kulturen zu begegnen. Für mich war diese Zeit eine wertvolle Erfahrung, die ich niemals vergessen werde und die mich auf meinem weiteren Lebensweg begleiten wird.