Gelebte Inklusion in den Paritätischen Freiwilligendiensten

Der gehörlose Fabian Rienermann blickt stolz auf sein Freiwilliges Soziales Jahr zurück

In den letzten Jahren haben bereits einige Menschen mit einer Hör-, Seh- oder Gehbehinderung erfolgreich an einem Freiwilligendienst teilgenommen. Einer davon ist der 19-jährige Fabian Rienermann aus Trier, der gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr an der Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule in Trier, an der er selbst früher Schüler war, beendet hat. An der Landesschule für Gehörlose und Schwerhörige werden Kinder und Jugendliche vom Grundschulalter bis zur Berufsreife unterrichtet und gefördert.
Zu Fabians Aufgaben gehörten die Begleitung und gebärdensprachliche Unterstützung der Schüler und Schülerinnen im Unterricht. Dabei konnte er auch erste Einblicke in die Rolle von Lehrkräften gewinnen, indem er beispielsweise beim Unterrichten der deutschen Gebärdensprache half.
Außerhalb des Unterrichts war er zudem in das Internatsleben einbezogen. So leistete er Hilfestellung bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie Einkäufen oder Essenszubereitung.

Fabian konnte in seinem FSJ-Alltag vor allem seine besonderen Kompetenzen als Gehörloser nutzen:

„Was ich in meine Arbeit einbringen kann, war sicher meine Gebärdensprache, meine Logistik, meine besonderen Gefühle und meine Erfahrungen.“

Aber auch die Verständigung mit Hörenden meisterte er sowohl in der Schule als auch bei den vom Paritätischen durchgeführten Bildungsseminaren sehr gut.

„Die Seminare fand ich top. Ich habe mich total wohlgefühlt, weil die anderen FSJler offen, locker und witzig waren.“

Auch die Gruppenleitung ist von Fabians Einsatz begeistert und beschreibt ihn als engagierten und zuverlässigen Teilnehmer, der gut in die Gruppe integriert war. Besonders gefiel Fabian dass er seine Erfahrungen als Gehörloser auch im Rahmen einer Seminareinheit mit den anderen Freiwilligen teilen und gleichzeitig viele neue Eindrücke „aus der hörenden Welt“ sammeln konnte. Fabian hat sich während des Freiwilligendienstes persönlich weiterentwickelt und die Zeit genutzt, um Klarheit über seine berufliche Zukunft zu gewinnen. Er wird nun ein Gymnasium in Essen besuchen und dort sein Abitur machen.

Seine Mutter zieht ebenfalls ein positives Fazit

„Fabian hat das FSJ sehr gut getan. Er geht anders auf Menschen zu, hat viele Freunde gewonnen. Die Arbeit in der Schule hat ihn geprägt, er ist erwachsener, sicherer und offener geworden. Das FSJ ist eine gute Sache (…).

Auch mit der Betreuung durch den Paritätischen seien sie sehr zufrieden, denn sie fühlten sich von Anfang an gut unterstützt und angenommen.

„Unser Ziel ist es nun, die Inklusion von Menschen mit einer Beeinträchtigung im Saarland und in Rheinland-Pfalz weiter auszubauen und ihnen ein freiwilliges Engagement gleichermaßen zu ermöglichen“,

erklärt Tamara Gassner, die Bereichsleitung des Kompetenzzentrums Freiwilligendienste des Paritätischen.

 

Der Paritätische Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e. V. bietet freie Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und/oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in vielfältigen Einrichtungen. Im Laufe ihres Freiwilligendienstes erhalten die Freiwilligen praktische Einblicke in den Alltag verschiedener sozialer Berufe. Dabei leisten sie nicht nur einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft, sondern können darüber hinaus auch ihre persönlichen Kompetenzen und Talente weiterentwickeln. Ein Freiwilligendienst kann in unterschiedlichen sozialen Einsatzfeldern abgeleistet werden, zum Beispiel in Kindertagesstätten, Schulen oder in Einrichtungen für ältere oder beeinträchtigte Menschen. Der Dienst dauert in der Regel 12 Monate, nach Absprache kann das Engagement auch auf maximal 18 Monate verlängert werden. Die Teilnehmer erhalten ein monatliches Taschengeld und kompletten Sozialversicherungsschutz. Interessenten können sich auf der Homepage des Paritätischen (www.paritaet-freiwilligendienste.de) oder telefonisch (0681-3885-283) eingehender informieren. Bewerbungen sind auf www.paritaet-freiwilligendienste.de bequem online möglich.