Mit 59 nochmal zum Freiwilligendienst

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Schnell und geschickt schält Leonhard „Leo“ Emondts einen Apfel nach dem anderen. Mit dem Messer kann der gelernte Bäckermeister umgehen. Bei seinen Nachbarn geht es langsamer, denn neben Leo Emondts sitzen Menschen mit geistiger Behinderung. Der 59-jährige leistet derzeit seinen Bundesfreiwilligendienst bei den Westeifel Werken in Gerolstein, einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM).
Anfang Mai 2018 ist der 59-jährige in den Bundesfreiwilligendienst gestartet. Die Westeifel Werke kannte er bereits vorher durch den Betreuungsverein Westeifel, der ebenfalls für Menschen mit Behinderung da ist.

„Ich war aber auch früher schon oft mit Firm- oder Kommunionsgruppen hier“, so Leo Emondts.

Über die Jahre hinweg hat er mit diesen Besuchen die Werkstatt und ihre Mitarbeiter gut kennengelernt, so dass er nun in vielen Bereichen im Einsatz ist.

„In der Montagegruppe übernehme ich die Endkontrolle der montierten Schrauben. Zwischendurch helfe ich in der Küche aus. Dann gibt es noch eine Lesegruppe und als ein Tanzlehrer gesucht wurde, habe ich das auch gerne übernommen.“

In der Tanzgruppe steht zur Zeit der Schuhplattler auf dem Plan, denn bald ist das Oktoberfest der Westeifel Werke für ihre Mitarbeiter mit Handicap am Standort Wissmannsdorf-Hermesdorf.

„Wir haben auch schon passende Seppel-Hüte bestellt“, sagt Leo Emondts lachend und gibt eine kurze Jodelkostprobe. Aus der Küche nebenan kommt ein fröhliches Jodeln zurück. „Das ist schon ein Ausdruck von Lebensfreude. Klar, manchmal ist die Arbeit hier anstrengend, so wie überall. Aber die Menschen hier geben einem viel mehr, als sie nehmen.“

Über 20 Lehrlinge hat der Bäckermeister im Laufe seiner Karriere in der Backstube ausgebildet, dazu noch viele andere in der eigenen Bäckerei, die er über viele Jahre in Kerpen betrieben hat. Als „Bufdi“ kommt ihm diese Erfahrung zugute. Denn die Menschen mit Behinderung, mit denen er bei den Westeifel Werken arbeitet, werden gezielt gefördert, damit sie vorhandene Fähigkeiten erhalten oder neue erlernen können.
Was er im Laufe seines Lebens und Arbeitslebens gelernt hat, will Leo Emondts gerne weitergeben. Er fände es gut, wenn mehr Menschen in seinem Alter ihre Lebenserfahrung auf diese Art weitergeben könnten. In Lingen hat bereits kurz nach der Einführung des Freiwilligendienstes 2011 eine 83-Jährige bei der örtlichen Tafel mitgearbeitet, ein Berlin gab es einen 82 Jahre alten Bufdi. Deutschlandweit liegt der Altersdurchschnitt zwischen 38 und 40 Jahren. Von diesen Menschen gibt es viel zu lernen.

„Aber dieses soziale Engagement muss man sich leisten können“, sagt Leo Emondts.

Ohne Pachteinnahmen aus der Bäckerei könnte er es sich nicht leisten, den Freiwilligendienst zu absolvieren. Die Höchstgrenzen für das Taschengeld, das Einsatzstellen an ihre Bufdis auszahlen dürfen, sei viel zu niedrig, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Eine Aufstockung sei der einfachste und realistische Weg, mehr Menschen für diese Form des sozialen Engagements zu begeistern. Von einem Pflichtjahr, wie es die CDU ins Spiel gebracht hat, hält er dagegen wenig:

„Der Freiwilligendienst ist eine tolle Sache. Aber eben genau das – freiwillig. Es bringt nichts, jemanden dazu verpflichten zu wollen, sich für andere zu engagieren.“

Die Äpfel sind fast fertig geschält. Leo Emondts wird daraus zusammen mit den Menschen mit Behinderung aus seiner Montagegruppe Apfelkuchen backen.

„Man bekommt eben immer etwas zurück“, sagt er augenzwinkernd.

 

 

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